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digitalisierte Gedankengänge

Wenn man eine Dienstleistung online anbietet, sollte man sich heutzutage auch bemühen etwas von sich preiszugeben. Mit den handelsüblichen Lobenhudeleien auf das eigene Unternehmen und einem tollen Portfolio ist es nicht getan. Im Zeitalter von Facebook und Google will auch Intimeres als strategisches Eigenlob ans Licht gezerrt sein. Was ist dafür besser geeignet als ein öffentliches Tagebuch.

Man nennt das Blog, was die verstümmelte Variante der Urform "Weblog" ist, was wiederum eine Verwandtschaft zu "Logbuch" offenbart. Da mir alle Bezeichnungen nicht liegen und "Tagebuch" zu melodramatisch klingt nenne ich es "Zeichners Journal". Darin halte ich in lockerer Folge fest was mir im grafischen Themenbereich so begegnet und wohin mich die themenfremden Nebenstränge führen.






27. April 2013

Bereits in den späten 90er Jahren hatte ich mich schon einmal an das von Uniformkundler Jürg Burlet lancierte Projekt gemacht. In farbigen Illustrationen sollte die erste eidgenössische Ausrüstung und Uniformierung der Streitkräfte dargestellt und erläutert werden. Es sollte eine Serie von Farbtafeln entstehen, wie es sie in Frankreich bereits von der Hand eines Rigo oder eines Lucien Rousselot (1900-1992) zur französischen Armee gab. Ich hatte mich übernommen.

Nach zwölf Tafeln ging das Projekt wieder ein, bis ich 2009 wieder von Burlet zum Malen bewegt werden konnte. Immerhin war ich als Illustrator besser geworden, und nicht alle dargestellen Figuren sahen wie Comicgestalten aus. Intensiv hatte ich nämlich über dem Werk des bereits erwähnten uniformkundlichen Grossmeisters Rousselot gebrütet. Obschon Fachmann für die französische Armee, hatte er auch eine dickes Werk zu Schweizer Uniformen von 1700 bis 1850 illustriert.

Als Kind der Belle Epoque wuchs Rousselot in einer Zeit des blühenden Nationalstolzes und der farbenfrohen Uniformen auf. Mit zwölf Jahren zeichnete er eines Abends Kürassiere in sein Schülerheft, die er am Tag voller Aufregung gesehen hatte. Sein Weg sollte ihn 1919 in die berühmte Pariser Ecole des Arts Décoratifs führen. Sein Skizzenblock füllte sich mit uniformkundlichen Studien die er von seinen Besuchen im Musée de l'Armée und der Bibliothèque Nationale mitbrachte.

Dem jungen Künstler öffneten sich immer mehr Türen, und er hielt in Aquarellen historische Uniformen und Ausrüstungsteile fest die er sah. In der Zeit nach dem furchtbaren Ersten Weltkrieg, in der naturgemäss kaum jemand etwas von Soldaten hören und sehen wollte, war Rousselot einer der wenigen passionierten uniformkundlichen Künstler. Er lernte 1923 Commandant Eugène Louis Bucquoy (1879-1958) kennen, damals seit langem eine Kapazität auf den Gebiet von Napoleons Armee.

Es ist nur folgerichtig dass Rousselot bald für "Le Passepoil" arbeitet, Bucquoys uniformkundliche Zeitschrift der Société d'étude des uniformes de France. Zum Kreis seiner Freunde kamen bald gleichgesinnte Uniformkundler und Maler wie Eugène Leliepvre (geboren 1908) oder Pierre Benigni (1878-1956), letzterer war Schüler des grossen Édouard Detaille (1848-1912). Rousselots Arbeiten waren stets geprägt von akribischer Forschung bis hinab zu kleinsten Details.

Nach der Niederlage und der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen 1940, die Rousselot als französischer Soldat erlebte, begann er mitten in schweren Zeiten sein grösstes Werk. Trotz aller Materialmängeln der Besatzungszeit, arbeitete er ab 1942 an den Farbtafeln seiner Serie "L'armée française". Es heisst, deutsche Besatzungsoffiziere hätten ihn mit Dingen wie Malpapier versorgt, weil sie sein Können anerkannten und die Leidenschaft für historische Uniformen teilten.

Bis 1971 schaffte Rousselot 106 Tafeln dieser legendären Serie. Das Gros davon befasste sich mit Napoleons Armee. Sein rastloses Wirken brachte ihm 1960 den Titel "Peintre de l'Armeé", offizieller Maler der Armee. 1992 schloss Lucien Rousselot für immer die Augen. Gerade halte staunend ich sein im Zeughaus Verlag publiziertes Sammelwerk "Napoleons Armee 1800-1815 in Händen". Jeder braucht ein Vorbild das ihn inspiriert. Vor dem Pinsel sollte immer die Recherche den Vortritt haben.





16. Mai 2012

Basler Seemannsgarn

Captain, Crew und Passagiere waren für einen endlosen Moment des Schreckens im Stossgebet vereinigt. Vor dem Bug des erfolgreichen Militärmusikfestivals Basel Tattoo war eiskalt schimmernd ein Quartieraktivist mit seinem Verein aufgetaucht. Von Backbord kommend, drohte deren Rekurs wider den Grossevent das Undenkbare zur Realität werden zu lassen. Auf dem Promenadedeck schickten sich die Massed Pipes and Drums bereits dazu an "Näher mein Gott zu Dir" anzustimmen, als gnädig eine höhere Macht eingriff, und den bitteren Kelch vorbeitreiben liess - vorerst.




>> Mehr Kontext zum Fall auf dem Basler Medienportal Online Reports






21. April 2012

Die Fasnacht ist schon eine ganze Weile vorbei, und ich zehre immer noch von ihr. Vielmehr ist es der Kelch des Leidens an dem ich nippe, denn seit der Vorfasnacht quälen mich Nackenschmerzen. Die begannen als ich im Februar tagelang in Schräglage vor einem Holzgerüst sass, um eine Leinwand zu bemalen. Ich hatte mich nämlich dazu überreden lassen eine Fasnachtslaterne zu malen. Dies ist ein Ritual dem sich in Basel viele unterziehen müssen die einen Pinsel halten können.

Häufig traf dieses Los namhafte Künstler wie Ferdi Afflerbach, Max Kämpf oder Niggi Stoecklin. Es gab Zeiten, da galt man in Basel nichts als Künstler, wenn man nicht eine Laterne malen konnte. Dass diese Pflichtübung auch ein kleines Licht wie mich treffen könnte, hatte ich nie in Erwägung gezogen. Ich hatte schon einige Kopflaternchen gemalt, und wusste genau welche Tortur diese Disziplin sein kann. Die durchleuchtete Leinwand verzeiht grad gar keine Fehlgriffe.

Wo Licht durchscheinen soll, gibt es nichts auszubessern oder zu übermalen. Einmal mit dem Pinsel nicht aufgepasst und gekleckert, und schon hat man einen Fleck als ewiges Mahnmal der Schlampigkeit auf der Leinwand. Man hat auch nicht eine gefügige Fläche auf der Staffelei. Vielmehr bilden gleich mehrere davon, auf ein Holzgerüst aufgespannt, einen 3D-Hinternislauf für den Pinsel. Nicht der Kasten wird vor den Maler gestellt, sondern der Maler muss sich um den Kasten winden.

Nie wollte ich eine Laterne malen die grösser war als ein Fussball. Dies war beschlossen und unumstösslich. Doch dann lobte man mit Engelszungen mein Können und mein Umfeld flötete mir die Weise vom Ruhm des Titels "Laternenmaler". Schliesslich liess ich mich dazu hinreissen, eine Minilaterne von rund einem halben Meter Seitenlänge zu machen. Bloss mal um zu sehen ob ich das auch hinkriege. Geburt und Totentanz der Fasnacht wollte ich für eine Clique verewigen.

So rasch das Motiv skizziert war, so endlos dauerte es bis es auf der Leinwand war. Die Familie machte einen grossen Bogen um meine Aura der Gereiztheit, während ich krumm über dem Leinwandkasten brütete. Den Tee musste man mir lautlos reichen, um meine Konzentration nicht zu stören. Einmal griff ich daneben und trank mein Pinselwasser ohne es zu merken. Tag für Tag wuchs das Werk; immer wieder mit der Schreibtischlampe zur Prüfung kritisch hinterleuchtet.

Doch mit dem Aufmalen war es nicht getan. Es folgte das Hintermalen auf der Rückseite der Leinwand. Dieser Prozess gibt den Farben erst ihr prächtiges Leuchten. Das Hantieren mit dem Pinsel in einem mehrfach verstrebten Holzkasten ist ein Hölle. Wie ein Dackel der sich in einen Frettchenbau zwängt, pinselte ich die Innenseiten. Herrlich strahlte dann vollendete Werk beim Testleuchten im Wohnzimmer. Die Laterne ist längst beim Kunden. Als Souvenir blieben mir die Genickschmerzen.











4. März 2011

Jetzt hätte ich es beinahe vergessen - am letzten Samstag habe ich einen weiteren Fang auf dem Flohmarkt gemacht. Können Sie sich noch an Hans Geisen (1919-1992) erinnern? Er gehörte ab 1967 quasi zum Inventar der Basler Zeitung, wo er von lokal bis global die Ereignisse auf der Politbühne mit seinen Karikaturen kommentierte. Zuvor zeichnete sein Stift unter anderem für die Weftfälische Rundschau, wo er nicht nur politische Cartoons sondern auch Bildergeschichten schuf.

Neben seinem unverkennbaren Strich erkannten man den unter dem Kürzel "Gei" wirkenden Künstler auch an seinem kleinen schwarzen Raben, der sich in viele seiner Werke einschlich, mal aktiv, mal verständnislos staunend. Mit Geisens Ableben 1992 verlor Basel einen weitherum bekannten Cartoonisten, denn die BaZ war einst eine weitverbreitete und unverwechselbare Zeitung, und mit ihr verbreiteten sich auch Gei's scharfsinnige Zeichnungen mit ihrem schwarzen Vogel.

Ohne Vogel aber mit seinem eindeutigen Strich zog eine seiner Zeichnungen am vergangenen Samstag an der Standreihe am Petersgraben meine Aufmerksamkeit auf sich. Alle Jahre findet im Basler Quartier das Neubadfest statt. Im Jahr 1975 war dies am Wochendene des 23. und 24. August der Fall. Für dieses Fest brachte Geisen eine Werbezeichnung zu Papier. Eben diese wurde hier für 20 Franken zum Verkauf angeboten. Ich schätzte Geisen schon zu seinen Lebzeiten und griff ohne zu Zögern zu.

Eine Originalzeichnung ist immer etwas viel intimeres als ein blosser Abdruck davon, etwa auf Seite 3 einer Tageszeitung. Ich sah sofort, dass auch ein geübter Profi wie Gei am Ende mit Deckweiss korrigieren muss. Oder dass die grad noch erkennbare Vorzeichnung offenbart, dass zu Beginn einiges anders aussehen sollte als schlussendlich getuscht. Ich hielt hier einen ganzen Arbeitsprozess in Händen. Gierig rückte 20 Franken raus und packte des Werk samt dem klapprigen Rahmen selig ein.

Als Supplement gab's eine Neubadfest-Medaille von 1975. Die passte gleich doppelt zur Zeichnung von Gei. Zum einen entstand sie aus selbem Anlass. Zum anderen entwarf sie der legendäre Basler Grafiker Ferdi Afflerbach (1922-2005). Afflerbach war ein Allzweckgenie. Er konnte mit Trommel und Piccolo Fasnacht machen; gestaltete mehrere Fasnachtsplaketten und Fasnachtlaternen, wirkte als Komponist und war Gründervater der Kuttlebutzer, wo auch Jean Tinguely Mitglied war.







21. Februar 2011

Vorgestern war ich erstmals in diesem Jahr auf dem Flohmarkt auf dem Petersplatz. Das schöne Wetter lockte und ich wurde nicht enttäuscht. An einem Stand am Petersgraben stachen mir aus einer Kartonkiste heraus alte Comics ins Auge. Besonders eine zerfledderte deutsche Ausgabe der Serie "Sophie" von Jidéhem. Sophie war die erste einer Reihe weiblicher Comic-Helden, die mir seit rund 35 Jahren den Kopf verdrehen. Dabei lernte ich sie Mitte der 70er Jahre unter falschem Namen kennen.

Aficionados franco-belgischer Comics kriegen schon Zustände wenn man den Kauka Verlag nur erwähnt. In der Tat wurde einst vom Herausgeber von Fix und Foxy eine ganzen Menagerie von heute klassischen Comicserien brutal verdeutscht publiziert. Da wurde nicht bloss alles auf Deutsch gestutzt und mit brachialem Humor in den Texten rumgemetzget. Für die Taschenbuchausgaben schreckte man auch nicht davor zurück die Panels zu verstümmeln oder zum gewünschten Format umzeichnen.

Blasphemie wohin man sah. Dennoch ist es das Verdienst des Kauka Verlags, dass ich erstmals mit anderen Comics als "Tim und Struppi" oder "Asterix" in Berührung kam. Ohne die kaukaesken Wursteleien hätte ich als Kindergärtner und Primarschüler weder "Spirou und Fantasio" (umgebaut zu "Pit und Pikkolo") noch Gil Jourdan von Tillieux (bei Kauka "Harro und Platte"), oder eben auch "Sophie" kennengelernt. Natürlich verpasste man auch ihr eine Eindeutschung zu "die lustige Lilly".

Es waren die Bilder von Jidéhem die mich in die Serie verliebt machten, oder eher in das pfiffige Mädchen mit dem Röckchenkleid, welches stets mutig und neugierig mit ihrem Erfindervater allerlei Abenteuer durchlebte. Damals wurde mein Faible für die Hauptdarstellerinnen im Comic geweckt. Nach Sophie stiess ich 1977 auf die blonde, kluge und attraktive Stewardess "Natacha" von Walthery. Auch an sie geriet ich über Fix und Foxi, wo sie verdeutscht als "Katja" auftrat.

Sie weckte mit ihrem cleveren Kopf und energischen Wesen in meiner Primarschülerseele ein Interesse am anderen Geschlecht, das über meine platonische Zuneigung zur lieblichen Sophie hinausging (für die ich übrigens bei meinen Altersgenossen herzlich verlachte wurde, die grad gar nix mit einem "Meitlicomic" anfangen konnten). Doch trat Natacha/Katja 1977 nur zweimal in Fix und Foxy auf, und liess mich nach "Katja und das Superding" mit gebrochenem Herzen zurück.

Fortan griff ich aber reflexartig zu, wenn da ein Comic auftauchte in dem eine Frau jene starke Rolle spielte die sonst Männern vorbehalten war. Mittlerweile lernte ich in der Schule Französisch und der Comix-Shop öffnete 1983 in der Theaterpassage seine Tore. Von da an hatten Comicliebhaber wie ich Zugriff auf zuvor "exotische" Werke in den originalen Ausgaben. Damit traf ich auf die bei Dupuis publizierte Jeannette Pointu (deutsch "Monika Morell") von Wasterlain.

Wie ein weiblicher Tim kam sich die Fotoreporterin einher; kämpfte sich burschikos durch Geschichten, die zum Beispiel im Band "Le dragon vert" Tiefang beweisen: Krieg in Südostasien, Flüchtlingslager, hungernde Kinder. Mittendrin der der wallende Rotschopf der versucht ein Baby zu retten und im Arbeitslager landet. Auch hier bestimmte eine selbstbewusste Frau eine ganze Serie, und ich merkte dass mich die Vorliebe für solche Figuren wohl nie mehr verlässt.

Dann brachte Carlsen ab 1991 die deutsche Ausgabe von "Akira" von Katsuhiro Otomo raus. Das 19bändige Epos im Neo Tokio des Jahres 2030 stellte dem pubertierenden Biker Kaneda die Widerstandkämpferin Kei zur Seite. Otomos klarer Strich inszenierte die anfangs kühle, entschlossene doch auch verletzliche Heldin attraktiv. Das japanischen Genre sollte mir weitere verhängnisvolle Affären bringen und mein Portemonnaie schmälern, da exotischer Stoff immer teuer ist.

Bald entdeckte ich die englische Ausgabe von "Appleseed" von Masamune Shirow (1989 bei Eclipse Books, spätere Bände bei Dark Horse Comics). Deunan Knute tritt vor dem Hintergrund einer komplexen und vielschichtigen Handlung des 22. Jahrhunderts auf. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Briareos Hecatonchires gehört sie der Antiterroreinheit ESWAT des Stadtstaates Olympus an. Deutlich war, dass Shirow einen Hang zu sportlichen Frauen in satt sitzender Kleidung hatte.

Die Geschichte war gewoben aus unzähligen erzählerischen Details und einer kampfstarken Action-Heldin. Bevor sich Lara Croft erstmals auf Spielmonitoren tummelte, setzte sich Deunan grosskalibrig und durchtrainiert gegen ihre Widersacher durch. Über 30 Franken kostete der ersten Band. Spätere Bände kamen noch teurer. Shirows Officer Leona Ozaki (Dominion Tank Police) und Major Motoko Kusanagi (Ghost in the Shell) sollten mich dann in den 90ern noch weiteres Geld kosten.

Viel günstiger kam mir da vorgestern der vergriffene Band "Sophie und Zoe's Furcht". Er kostete nur vier Franken. Zwar war der Umschlag schmutzig und einige Seiten hatten sich gelöst. Aber die Flecken gingen mit Reiniger wieder weg und die rausgefallenen Seiten konnte ich wieder reinleimen. Jetzt wissen Sie auch, wieso ich bei Frauen wegschmelze vor denen traditionelle Männer Angst kriegen; und wieso mein Zeichenstift kaum je einen starken männlichen Helden zu Papier bringt.







4. Februar 2011

Der Comix Shop hatte mir die frohe Kunde in die Mailbox geschickt, dass der dritte Band von "Le Grand Duc" nun da sei. Zum einen wollte ich wissen wie das mit Wulf weiterging nachdem seine kleine Tochter bei der Bombardierung Dresdens starb; und natürlich wie die Nachthexe Lilya mit ihrer neuen Aircobra zurande kam. Zum anderen bestaune ich Hugaults virtuosen Umgang mit Farben, Lichtführung und die Detailtreue seiner Zeichnungen.

Ich holte mein neues Studienobjekt in der Theaterpassage ab, und liess auch gleich noch einen Klassiker der Ligne Claire dazupacken. Als ich mit meinen Neuerwerbungen am Fuss der Theaterplatztreppe stand, entschloss ich mich zu einem spontanen Bad in Nostalgie. In den 80ern liess ich mir im Comix-Shop von Taifun meine neu erworbenen Schätze einpacken und lief dann direkt zum Cindy in die Steinen, wie Pawlows Hund wenn das Glöckchen bimmelte.

Damals gab es da die besten Hamburger Basels, und dem ist bis heute so. Aber Ende März wird das Cindy dort nach 28 Jahren dichtgemacht. Noch einmal wollte ich aus diesem Grund in dem Burgerrestaurant mit dem Fifties-Touch mit einem voluminösen Burger, Fritten und Cola meinen Cholesterinspiegel hochkitzeln und frische Comics dabei schmöckern. Selbst wenn ich danach Bluthochdruck und Fettflossen habe, es ist eine Frage der letzten Ehre.

Wie üblich wenn man mitten am Vormittag reinschneite, musste man acht Minuten auf den Burger warten. Das war auch das Geheimnis des phlegmathischen Feinschmeckers; denn zum einen kommt der Hamburger dann auch direkt und kunsprig aus der Pfanne, und zum anderen hat man zu dieser Zeit wegen der wenigen Kundschaft noch die Möglichkeit sich einen Sitzplatz nach Belieben auszusuchen. Acht Minuten sind genug Zeit für ein erstes Durchblättern.

Ich schlug den neuen Grand Duc auf und war einmal mehr begeistert von den Zeichnungen Romain Hugaults. Einen solchen Sehrausch hatte ich letztes Mal als ich in "Hugo & Iris" aus der Sambre-Serie von Yslaire eintauchte, eine Familiensaga aus dem Frankreich des 19. Jahrhunderts. Erzählt wird die schwermütige Geschichte von Hugo und Iris (Szenario von Yslaire) von Jean Bastide und Vincent Mezil, mit Bildern von denen jedes einzelne ein Meisterwerk ist. 

Die Trilogie um die sowjetische Jagdpilotin Lilya und den deutschen Kampfflieger Wulf wird hingegen in Le Grand Duc (was übrigens die französische Bezeichnung für den Uhu ist) in völlig anderer Ambiance serviert als das Drama der Sambres. Aber auch hier fesseln mich die opulenten Bilder ungemein. Dann wurden mir Burger und Pommes Frittes hochgebracht. Und mit einem Schlag kam mir etwas in den Quere was mir früher nie hinderlich war.

Mit Salz und Burgerfett an den Fingern wurde vor 25 Jahren sorglos in neuen Comics geblättert. Der Drang nach dem Seherlebnis war nicht zu bändigen. Ich bin seither offenbar grässlich spiessig geworden. Mit Speiseresten an den Fingern in einem exzellenten grafischen Erzeignis rumgriffeln, und hässliche Flecken reinmachen? Welch ein Sakrileg! Ich ass ohne weiter zu schmöckern. Unbeschwerte Jugend lässt sich eben nicht zurückholen.




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