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Basler Comics?

Der Comic und Basel, das ist keine Liebesgeschichte. Obschon die Stadt nie arm an grafischen Künstlern war, hat ihre Scholle nicht viele Comics hervorgebracht. Vielleicht hängt noch immer der fast 500jährige Atem der sittenstrengen Reformatoren hemmend über der Szene, der rasch bannt was irgendwie mit Lust oder lustig zu tun hat. Zur anerkannten Kunstform hat der Comic es als bandes dessinée (kurz BD) bei unseren französischen Nachbarn geschafft. Bei uns gilt er immer noch als suspekt.

Basel ist ein karger Nährboden. Nicht dass es hier gar keine Comics gäbe. 2010 erschien "Unsere Universität" - ein Comic zu 500 Jahre Uni Basel vom Gespann Elena Pini (Zeichnerin) und Andreas K. Heyne (Texter). Eine semi-funny gezeichnete Story zur Gründung der Universtität 1460. Ohne Funnyelemente kam 2006 "Basilea, das Vermächnis des Mönchs" von Roloff (Zeichner) und Michael Bregel/Titus Müller (Szenario, Text) als Drama einer interkonfessionellen Dreiecksbeziehung im Basel des 14.Jh. daher.

Roloff ist seit den 1990ern bekannt als Zeichner der "Priska und Silvanus" Bände, die im römischen Augst spielen und in Cooperation mit Dorothée Šimko entstanden. Als Comic verkleidete sich der 2009 publizierte Band "Metrobasel". Nennen Sie mich ewiggestrig, aber Bildfragmente aus "à bout de souffle" auf verfremdeten Fotos, mit Sprechblasen angereichert - das ist eine Bildergeschichte, kein Comic. Kann sein dass ich da zu sehr von Bill Sienkiewicz und Simon Bisley verwöhnt bin. Man vergebe mir meine Härte.

Als Comic-Highlight sei hier noch Nico & Mirek vom Basler Zeichner Boris Zatko erwähnt. Seit 2003 bereichert das Duo die (heutige) Wochenzeitung Baslerstab in Strips mit lokalem Bezug. Aus Zatkos Oevre spricht eine Neigung in die francobelgische Richtung, was wohl auch der Grund dafür ist dass ein Nostalgiker wie ich gerne sieht was von seinem Zeichenbrett kommt. Der Zeichner Enrico Marini erblickte seinerseits das Licht der Welt in Liestal, hat aber immerhin in Basel die Kunstgewerbeschule besucht.

Marini gelang für einen Schweizern Seltenes - der Sprung auf die grosse Bühne mit Serien beim renommierten französischen Verlag Dargaud (im Deutschen Raum bei Carlsen). Zum Beispiel "Le Scorpion" mit Szenarist Stephen Desberg, der bereits für Will bei Tif et Tondu schrieb. Auf totaler Terra incognita wandere ich also in Basel mit meiner Zeicherei nicht. Auch wenn sich meine reinen Comic-Publikationen an eineinhalb Händen abzählen lassen und ich mehr Comics konsumiere als ausstosse.

Jean-Jacques Seiler, 02. Februar 2011


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